Sonntag, 30. Juni 2013

Rosemarie Trockel "begegnete" mir  zum ersten Mal in der Tate Gallery. Ich war 19 und bereitete gerade meine Bewerbung für das Designstudium vor. Ihre Sturmhauben faszinierten mich- so radikal kann gestricktes also sein.
Im Studium hielt ich dann ein Referat über Ihre Arbeit, die mich in meinem eigenen Schaffen geprägt hat. 

Bei Rosemarie Trockel handelt es sich um eine der bekanntesten deutschen Gegenwartskünstlerinnen. Ihre Werke werden international ausgestellt. Sie bedient sich aller künstlerischen Medien gleichermaßen, ihr Werk beinhaltet Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation, Strickerei, Videoarbeiten und mehr. 
Sie stellt der männlich geprägten Kunstszene weibliche Themen und Rollen gegenüber. So ist sie in den Achtzigern eine der wenigen Künstler, die sich mit Sexualität, Feminismus oder der Position der Frau befassen. Dies geschieht auf eine ironische und humorvolle Weise, niemals wirken ihre Inhalte unreflektiert oder polemisch.
1984/1985 entstehen die ersten Strickbilder. Diese werden nach Rosemarie Trockels Anweisungen unter Einsatz des Computers industriell gefertigt. Das Material Wolle und die Tätigkeit des Strickens werden laut Trockel von Frauen oftmals als peinlich empfunden, von der Gesellschaft als minderwertig betrachtet. Somit ist Stricken zu dieser Zeit unterhalb der Kunst angesiedelt.
Rosemarie Trockel benutzt als Bildmotiv Logos aus den auf den ersten Blick nicht zu vereinenden Bereichen der Politik und des Marketings, aber auch abstrakte Designmotive. Sie alle spielen in den Strickbildern die gleiche ornamentale Rolle. Auf der Leinwand werden sie in einem gleichmäßigen Musterrapport abgebildet, der an den Seiten abgeschnitten ist, und dadurch den Eindruck erweckt, endlos wiederholt werden zu können. Durch die serielle Wiederholung werden Symbole einerseits sinnentleert und entwertet, losgelöst von ihrem ideologischen und symbolischen Kontext. Andererseits  wird deren Bedeutung erweitert und in Bezug zu anderen Symbolen gestellt. Somit parodieren und decodieren die maschinengestrickten Wollbilder die Codes, die tief verwurzelt sind im kulturellen und gesellschaftlichen Bewusstsein.

Auch jetzt, mehr als zehn Jahre nach meinem "Erstkontakt" mit der Arbeit von Rosemarie Trockel, hat ihre Arbeit nicht an Wirkung auf mich verloren. Schließlich zeigt sie, daß Strick durchaus subversiv sein kann und nicht nur weich und nett.





Montag, 24. Juni 2013

Nun ist es also fertig, mein Blog, und startet mit einem Plädoyer für das Stricken.  Diese Technik begleitet mich nun schon mein halbes Leben. Ist Leidenschaft, fast Obsession.
Ich hätte ein anderes kreatives Medium wählen können um mich auszudrücken, doch immer wieder schlug mich diese Technik in ihren Bann. Ich liebe die weichen Materialien, die Möglichkeit, fast bildhauerisch zu arbeiten- keine Nähte sind nötig, in meinen Händen wächst und formt sich meine Idee. In all den Jahren habe ich mit unterschiedlichsten Materialien gearbeitet, Lackleder zum Beispiel. Unzählige tausend Maschen habe ich gestrickt, erst unter der fachkundigen Anleitung meiner Großmutter per Hand. Zwanzig Pullover und diverse Kleinigkeiten allein bis zu meinem Abitur. Später im Modedesignstudium kam die Strickmaschine mit ihren unendlichen Möglichkeiten hinzu.
Nun gebe ich in meinem Lehrauftrag mein Wissen selbst an die Studenten des Fachbereichs Gestaltung weiter und bin immer wieder aufs Neue fasziniert von den Möglichkeiten dieser doch so alten Technik. Freue mich über neue Ideen, die mich packen, technische Entdeckungen, wie die phantastischen Möglichkeiten von Industriestrickmaschinen oder meine neueste Fähigkeit- rückwärts stricken. Und freue mich über alle, die diese Leidenschaft mit mir teilen. 

Die Geschichte wird weitergehen, in meinem Label Polynoir, in meinem Unterricht und ab jetzt auch an dieser Stelle.
Ich freu mich auf Euer Interesse! Let`s keep on knitting...